Führungskräfte investieren im Schnitt rund 20 Prozent ihrer Arbeitszeit in den Versuch, Konflikte zu lösen. Umgerechnet auf das Gehalt sind das etwa 1.444 Euro pro Führungskraft und Monat, die im Unternehmen für ungelöste Konflikte draufgehen (KPMG Konfliktkostenstudie 2009). Diese Zahl überrascht fast jede Geschäftsführerin und jeden Geschäftsführer, mit der ich arbeite. Der offene Streit ist dabei selten das teuerste. Am meisten kostet die Zeit davor, in der niemand etwas sagt.
Wo die eigentlichen Kosten entstehen
Montag, kurz nach neun. Zwei Kolleginnen sitzen im selben Meeting, drei Stühle voneinander entfernt, obwohl noch Plätze frei wären daneben. Beide sprechen freundlich. Keine sieht die andere an. Niemand im Raum spricht es an. Drei Wochen später eskaliert eine Kleinigkeit, ein falsch weitergeleitetes Dokument, zu einem Wortgefecht vor dem ganzen Team.
Was in der Zwischenzeit passiert ist, sehe ich in der Arbeit mit Unternehmer:innen und Führungskräften immer wieder. Der Konflikt war längst da. Nur hat ihn niemand laut gemacht. Genau diese stille Phase kostet am meisten, weil Energie in Vermeidung fließt statt in Arbeit. Die Konzentration sinkt, Abstimmungen dauern spürbar länger.
Die Zahl dahinter
Die KPMG Konfliktkostenstudie hat gemessen, wie viel Arbeitszeit Führungskräfte tatsächlich mit Konflikten verbringen. Gemeint sind nicht Meinungsverschiedenheiten in der Sache. Gemeint ist der Versuch, Spannungen zu moderieren, Gespräche zu vermeiden oder Schaden zu begrenzen. Das Ergebnis: rund ein Fünftel der Arbeitszeit. Bei einer Führungskraft mit einem durchschnittlichen Gehalt ergibt das rechnerisch etwa 1.444 Euro im Monat, die nicht in Wertschöpfung fließen, sondern in Reibung.
Diese Zahl betrifft nur die Führungsebene. Die Zeit, die Teammitglieder selbst mit Vermeidung, Grübeln und informellen Absprachen verbringen, ist darin noch gar nicht enthalten.
Die versteckten Folgekosten
Am teuersten sind nicht die Wochen des offenen Konflikts. Am teuersten sind die Monate davor und danach.
Davor, weil Energie in Vermeidung fließt statt in Arbeit. Ein Team, das sich gegenseitig aus dem Weg geht, koordiniert sich schlechter, wiederholt Absprachen und verliert Zeit in Umwegen, die bei offener Kommunikation gar nicht nötig wären.
Danach, weil ungelöste Konflikte selten spurlos verschwinden. Sie zeigen sich in sinkender Leistung ohne erkennbaren fachlichen Grund oder in einer Kündigung, die sich im Nachhinein nur durch den nie angesprochenen Konflikt erklären lässt. Eine Nachbesetzung kostet je nach Position ein Vielfaches eines Monatsgehalts. Dazu kommt der Wissensverlust, den kaum eine Kalkulation erfasst.
Warum sich frühes Handeln finanziell auszahlt
Ein klärendes Gespräch dauert selten länger als eine Stunde. Ein ungeklärter Konflikt zieht sich oft über Monate und bindet in dieser Zeit deutlich mehr Arbeitszeit, als das ursprüngliche Gespräch je gekostet hätte. Je länger ein Konflikt unbearbeitet bleibt, desto teurer wird jede spätere Lösung, weil sich mehr Menschen, mehr Themen und mehr verletzte Erwartungen ansammeln.
Konfliktkosten sind deshalb kein weiches Thema für Personalabteilungen allein. Sie sind eine betriebswirtschaftliche Größe, die sich beziffern lässt und die früher Aufmerksamkeit verdient, als die meisten Unternehmen ihr geben.
Wie sich Konfliktkosten senken lassen, ohne ein großes Programm
Die wirksamste Maßnahme ist nicht ein neues Tool oder ein mehrtägiges Seminar. Es ist die Bereitschaft von Führungskräften, ein Muster früh anzusprechen, bevor daraus eine offene Auseinandersetzung wird. Dafür braucht es weder Budget noch externe Beratung oder Coaching, nur Klarheit darüber, wann ein Signal ernst genommen werden sollte.
Erst wenn diese frühe Klärung regelmäßig ausbleibt, wird eine strukturierte Begleitung wirtschaftlich sinnvoll, etwa durch geschultes Konfliktmanagement im Führungsteam oder durch eine externe Mediation bei größeren Spannungen. Der Vergleich lohnt sich fast immer: die Kosten einer frühen Klärung liegen deutlich unter den Kosten eines Konflikts, der über Monate unbearbeitet bleibt.
Häufige Fragen zu Konfliktkosten
Was sind Konfliktkosten im Unternehmen?
Konfliktkosten sind direkte und indirekte Kosten, die durch ungelöste oder schlecht bearbeitete Konflikte entstehen. Dazu zählen beispielsweise verlorene Arbeitszeit, zusätzliche Abstimmungen, Produktivitätsverluste, Projektverzögerungen, Fluktuation, Krankenstände und Kosten für externe Konfliktbearbeitung.
Wie hoch sind Konfliktkosten in Unternehmen?
Die KPMG-Konfliktkostenstudie von 2009 kommt zu dem Ergebnis, dass 10 bis 15 Prozent der Arbeitszeit für Konfliktbewältigung aufgewendet werden. Außerdem können Konfliktkosten bis zu 20 Prozent der Personalkosten ausmachen.
Wie viel Arbeitszeit verbringen Führungskräfte mit Konflikten?
Das hängt von der jeweiligen Situation und Definition von Konfliktarbeit ab. Eine WdF-Führungskräftebefragung kam 2011 auf rund 20 Prozent der Arbeitszeit. Bei einer damaligen Durchschnittsvergütung wurden daraus 1.444 Euro Konfliktkosten pro Führungskraft und Monat errechnet.
Welche Konfliktkosten werden häufig unterschätzt?
Besonders häufig übersehen werden die Kosten der Konfliktvermeidung: zusätzliche Abstimmungen, Verzögerungen, Informationsverluste und die Zeit, die Mitarbeitende und Führungskräfte mit Grübeln oder informellen Gesprächen verbringen. Auch Fluktuation, Wissensverlust und Projektverzögerungen können erhebliche Folgekosten verursachen.
Wann lohnt sich professionelle Konfliktberatung oder Mediation?
Professionelle Unterstützung kann sinnvoll sein, wenn ein Konflikt trotz mehrerer Gespräche bestehen bleibt, sich die Situation weiter verhärtet oder die Führungskraft selbst Teil des Konflikts ist. Je früher ein Konflikt professionell bearbeitet wird, desto größer ist meist der Handlungsspielraum für eine gemeinsame Lösung.
Wie können Unternehmen Konfliktkosten reduzieren?
Der wichtigste Hebel ist frühe und strukturierte Konfliktklärung. Führungskräfte sollten Veränderungen in der Zusammenarbeit wahrnehmen, Konflikte zeitnah ansprechen und konkrete Vereinbarungen treffen. Wenn die eigenen Mittel nicht mehr ausreichen, können Konfliktcoaching oder Mediation dabei helfen, den Konflikt professionell zu bearbeiten.
Was kostet dir der Konflikt gerade wirklich?
Konfliktkosten verstecken sich in Arbeitszeit, Krankenständen, Verzögerungen, Fluktuation, zusätzlichen Abstimmungen und verlorener Energie.
Wenn du als merkst, dass ein Konflikt bereits Zeit und Leistung kostet, warte nicht darauf, dass er sich von selbst löst.
Du musst dabei nicht sofort wissen, welcher Weg der richtige ist. Manchmal reicht ein klar geführtes Gespräch, manchmal braucht es gezieltes Konfliktcoaching und manchmal ist ein neutraler Rahmen durch Mediation sinnvoll. Entscheidend ist, rechtzeitig zu erkennen, was die Situation braucht.
Ich unterstütze dich dabei, genau das zu klären – vertraulich, lösungsorientiert und mit Blick auf die Menschen und das Unternehmen. → Konfliktcoaching anfragen
Wenn die Fronten bereits verhärtet sind und ihr allein nicht mehr weiterkommt: → Unverbindliches Erstgespräch für Mediation anfragen
Du möchtest dich zunächst selbst auf ein schwieriges Gespräch vorbereiten? → Kostenlosen Leitfaden für schwierige Gespräche herunterladen
Quelle: Insam, A., Achterholt, U., Reimann, A. (2009): Konfliktkostenstudie. Die Kosten von Reibungsverlusten in Industrieunternehmen. KPMG.

Über die Autorin
Mag. Eva Schrotter ist Geschäftsführerin vom ZUKUNFTS:STUDIO, eingetragene Mediatorin (BMJ), Business Coachin, psychologische Beraterin und Unternehmensberaterin. Sie arbeitet seit zehn Jahren mit Menschen in Verantwortung, Geschäftsführer:innen und Führungskräften, geprägt durch ihre eigene Erfahrung im Familienunternehmen. Ihr Fokus liegt auf den Dynamiken, die hinter sichtbarem Verhalten wirken, und auf Führung, die auch unter Druck trägt.
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